Valsanas bahnbrechender Eisspeicher
Die Tschuggen Collection setzt sich seit über zehn Jahren aktiv für den Erhalt einer intakten Umwelt ein. Mittlerweile konnte bereits eine Reduktion von nahezu 90% des gesamten fossilen Brennstoffverbrauchs der Tschuggen Collection erreicht werden. Sämtlicher Strom ist zudem 100% ökozertifiziert. Einen besonderen Meilenstein innerhalb dieses Engagements erreichte man mit dem Valsana Hotel in Arosa.
Seit dem Neubau im Jahre 2017 verfügt die gesamte Hotelanlage inklusive anliegenden Geschäften und Wohnhaus über eine Gebäudeinfrastruktur, welche auf 1'800 Meter gänzlich ohne fossile oder sonstige Brennstoffe auskommt. Herzstück der Anlage ist der bahnbrechende Eisspeicher.
Was macht die Betreuung des Eisspeichers so anspruchsvoll?
Ein grosser Teil meiner Arbeit besteht darin, die Wärmerückgewinnungssysteme und den Eisspeicher zu überwachen. Im Hotel greifen verschiedene technische Systeme ineinander. Deshalb ist es wichtig, die einzelnen Komponenten laufend zu kontrollieren und weiter zu optimieren.
Woher stammt die Wärme, die im Hotel zurückgewonnen wird?
In unserem Haus gibt es viele Wärmequellen, die wir nutzen können. Ein grosser Teil der Abwärme wird aus dem Abwasser zurückgewonnen. Dieses stammt beispielsweise aus den Duschen, dem Spa-Bereich, der Wäscherei oder der Küche und weist durchschnittlich eine Temperatur von etwa 15 bis 22 Grad Celsius auf. Nach der Wärmerückgewinnung kann die Temperatur des Abwassers auf bis zu 4 Grad Celsius sinken, bevor es in die Kanalisation fliesst.
Auch der Supermarkt im Erdgeschoss betreibt zahlreiche Kühlschränke und Kühlregale. Zusätzlich entsteht durch die Kühlanlagen in der Hotelküche Abwärme. Diese Energie wird ebenfalls dem Eisspeicher zugeführt.
Im Sommer kann das System zudem genutzt werden, um Teile des Hotels, darunter Restaurant und Küche, zu kühlen und so für ein angenehmes Raumklima zu sorgen.
Wie funktioniert ein Eisspeicher?
Die gesamte Heizleistung der drei Gebäude wird durch die eigene Abwärme und durch Erdsonden gewonnen. Diese Energie wird in einen grossen Latentspeicher – den Eisspeicher – geführt. Die Wärmepumpen beziehen ihre Energie direkt aus diesem Speicher, den man sich wie einen grossen Wassertank vorstellen kann.
Der Tank fasst 860'000 Liter Wasser. Darin befinden sich mehr als 400 Meter Rohrregister mit einer Höhe von rund 1,5 Metern, durch die ein Wasser-Glykol-Gemisch fliesst. Diese Rohrregister sind mit dem Wärmepumpenkreislauf verbunden.
Wenn die Wärmepumpen viel Energie entziehen, kann das Wasser rund um die Rohrregister gefrieren und einen Eisblock bilden. Um das Eis wieder aufzutauen, wird die Abwärme der Wärmerückgewinnungssysteme dem Wasserbecken zugeführt. Steht mehr Abwärme zur Verfügung als Energie entzogen wird, schmilzt das Eis und das Wasser kann sich auf bis zu 15 Grad Celsius erwärmen. Diese Wärme kann anschliessend erneut genutzt werden.
Könnte dieses Prinzip auch im Alltag genutzt werden?
Grundsätzlich ja. Wenn wir alle einen Eisspeicher im Keller hätten – was natürlich noch Zukunftsmusik ist –, könnten wir einen Teil der Wärme, die im Alltag entsteht, wiederverwenden. Beim Waschen, Kochen oder Duschen entsteht Wärme, die heute häufig ungenutzt verloren geht.
Was ist der spannendste Teil Ihres Jobs?
Der spannendste Teil ist für mich die laufende Überwachung und Verbesserung des Systems. Auch bei einem so komplexen System gibt es immer noch Optimierungsmöglichkeiten. Wir fragen uns ständig: Wo können wir noch mehr Wärme zurückgewinnen? Wie können wir vorhandene Energie noch effizienter nutzen? Für mich ist es ein tolles Gefühl zu sehen, wie sich die Energiebilanz des Hauses durch solche Optimierungen kontinuierlich verbessern lässt.
Auf welches Interesse stösst das System?
Es ist etwas Besonderes, mit einem solchen System zu arbeiten. Vergleichbare Lösungen sind noch nicht sehr weit verbreitet, und darauf sind wir stolz.
Hochschulen und Unternehmen besuchen uns regelmässig, um mehr über das System und seine Funktionsweise zu erfahren. Wir freuen uns über das grosse Interesse und teilen unsere Erfahrungen und unser Wissen gerne. So hatte ich beispielsweise bereits Kontakt mit einem Mitarbeiter aus dem Schloss des Fürsten von Liechtenstein sowie mit der Arosa Akademie.